Schreibwerkzeug Google Earth

Man mag ja über die Monopol-Stellung von Google denken wie man will - viele der Applikationen sind beeindruckend hilfreich. Mein Lieblingstool ist Google Earth, das ich heute als Werkzeug für Autoren vorstellen möchte.
Wer das Programm noch nicht kennt: Google Earth erfasst Satellitenbilder und fügt sie zu einem virtuellen Globus zusammen. Von weitem sieht das dann so aus:

alle Bildrechte: Google Earth

Per Mausrad zoomt man tiefer hinein, beispielsweise Richtung Europa:

Mein letztes Buch, der historische Roman “Pilgerweg durch die Hölle”, beginnt im südfranzösischen Toulouse. Um den schriftstellerischen Nutzen von Google Earth zu demonstrieren, nähern wir uns beispielhaft dieser Stadt - dafür genügt die Eingabe des gesuchten Ortes oben links. Den “Anflug” auf das gewählte Objekt kann man unterbrechen - beamen wir uns stückweise an die Erdoberfläche heran, bis zwischen Mittelmeer und Atlantik der Gebirgszug der Pyrenäen erkennbar wird …

… und abermals tiefer, bis man Toulouse erahnen kann, durchschnitten vom Flusslauf der Garonne:

Ein weiteres Drehen am Mausrad und wir schweben über der Stadt. Deutlich erkennt man die alten Grenzmauern und Kanäle - ich habe einen gelben Kreis darum gezogen. So lässt sich bereits mit einem Blick feststellen, wie groß die Stadt im Mittelalter wohl gewesen sein mag:

Noch ein bisschen tiefer sieht das so aus:

Ganz oben am Rand (gelb markiert) erscheint eine Kirche, die leicht zentriert werden kann. Gleichzeitig geht’s noch ein Stück hinab:

Es handelt sich um eines der Wahrzeichen der “ville rose”, wie Toulouse ob seiner roten Steinhäuser genannt wird: die im 12. Jahrhundert erbaute Basilika Saint-Sernin. Mein Roman führte auch in diese Kirche - und deshalb auch meine Recherche. Zoomen wir ein letztes Mal näher heran:

Das ist so ziemlich die maximale Auflösung - geht man noch tiefer, wird das Bild verwaschen körnig.

Ich kenne Toulouse und auch diese Kirche, insofern war mein virtueller Ausflug nur einer, um meine Erinnerung aufzufrischen. Aber manchmal schreibt man eben auch über fremde, unbekannte Orte - dann helfen solche Bilder oder die im folgenden erklärten Gimmicks von Google Earth enorm weiter. Beispielsweise gibt es in der Leiste links die Option “3D-Gebäude” (gelb markiert), mit der zumindest die wichtigsten Bauten einer Stadt modellhaft in drei Dimensionen dargestellt werden - auch die Kirche Saint-Sernin:

Und schon hat der tastenhungrige Schriftsteller eine Idee, wie diese Kirche “wirklich” aussieht. Aber es geht noch realistischer: Nutzt man die Option “Panoramio” im Ordner “Geografie im Web”, so füllt sich das Satellitenbild mit blauen Quadraten - Fotografien, die von Besuchern im Netz eingebunden wurden. Klickt man eines an, bekommt man ein authentisches Foto des zu beschreibenden Ortes:

Die Informationsflut ist wahrlich beeindruckend, denn natürlich kann man sich nicht nur Fotos, sondern auch Straßennamen, Caf├ęs, Krankenhäuser et cetera einblenden lassen. Nützlich ist etwa auch die Option “360Cities”, die beim Anklicken ein 360-Grad-Panorama öffnet - plötzlich steht man “in” Saint-Sernin und kann sich um die eigene Achse drehen. Fast schon als unheimlich empfinde ich “street view”: Wählt man diesen Punkt der Navigationsleiste, wimmelt es auf dem Bild plötzlich vor kleinen, schwarzen Kameras:

Klickt man auf eine dieser Kameras, öffnet sich ein Schnappschuss genau dieses Ortes - mit Blick auf weitere, wiederum anklickbare Kamerasymbole (gelbe Kreise). Folgt man ihnen, kann man tatsächlich einen kompletten Rundgang um die Kirche machen!

Was hätte beispielsweise Karl May für solch eine Möglichkeit gegeben …

Wem das aber immer noch nicht reicht, kann schließlich den Reiter “youtube” auswählen. Dann werden bei youtube veröffentlichte Filme sichtbar, die etwa Innenaufnahmen der Kirche Saint-Sernin zeigen (das Video selbst habe ich nicht eingebunden):

Von den restlichen Möglichkeiten bei Google Earth möchte ich schließlich noch auf das so einfache, wie nützliche Tool “Lineal” hinweisen (an der oberen Leiste einzuschalten). Pilgerweg durch die Hölle spielt auf dem “Camino” nach Santiago de Compostela. Per Satellitenbild konnte ich die Tour meiner Helden planen und berrechnen - wie weit kommt man per pedes oder zu Pferd an einem Tag? Man lege das virtuelle Lineal an und messe die Distanz zweier Punkte - hier die Entfernung von Toulouse bis in die Pyrenäen:

Fazit: Google Earth ist ein äußerst mächtiges Hilfsmittel für jeden Schreiberling - und lässt trotzdem noch Platz genug für die Fantasie :-)

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