Schreiben lernen (5): Der Held oder: Was haben Harry Potter, Batman und Hamlet gemeinsam?

Diese durchaus ernst gemeinte Frage soll ins Reich der Protagonisten, Hauptcharaktere oder - wie man früher so schön sagte - der Helden einer Geschichte führen. Worin liegt also der gemeinsame Nenner dieser drei? Nun, die Eltern starben, genauer, sie wurden ermordet (bei Hamlet zumindest der Vater). Bruce Wayne alias Batman verwandelte sich deshalb in den alptraumgeplagten Dunklen Ritter, Mister Potter trägt zusätzlich zur Last der Erinnerung eine weiße Blitznarbe auf der Stirn und Hamlet, nun, der ist trotz aller Gemeinsamkeiten eine Klasse für sich - da psychologisiere ich lieber nicht rum.

Alle drei könnte man in die Kategorie des “gebrochenen Helden” stopfen: Die Figur fühlt sich gequält von üblen Erinnerungen und seelische Nöten.
Diese Ausgangslage (beliebt ist auch der plötzliche Tod der/des Geliebten) führt beim Leser natürlich zu einer sofortigen Identifikation. Der arme Kerl, denken wir, und schon hat uns der Autor gepackt: Wir fiebern mit.
Aus diesem Grund wird in diversen Schreibbüchern immer wieder empfohlen, die Hauptfigur als gebrochen zu entwerfen, als verletzt und verzweifelt.

Aber stimmt das überhaupt? Was ist beispielsweise mit diesem Herren hier:

 

 

Frodo Beutlin aus Tolkiens Herr der Ringe ist der Inbegriff eines nichtssagenden Helden. Er ist glatt (insofern passt der Schauspieler wunderbar), naiv, ein bisschen träge (aber nicht faul), mutig (aber nur wie jeder andere auch), lustig (aber nicht zu sehr) und langweilig (aber … nichts aber)! Gebrochen ist er jedenfalls nicht, Sorgen und Qual liegen bei ihm nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft.

Ein anderes Beispiel (das Video von youtube band ich nur nostalgisch sinnend ob der Musik ein, hach …):

 

 

Old Shatterhand ist - anders als Frodo - mitnichten ein Normalo. Er kann schießen wie sonst keiner, besitzt eine Schmetterfaust ohnegleichen, ist moralisch integrer als Barack Obama - und sieht noch dazu super aus. Ein Gegenentwurf also zu dem freundlichen Hobbit, aber ebenfalls keine gebrochene Figur, sondern eher aus der Kategorie Supermann. Und auch Winnetou bekommt erst in jenem Moment schärfere Charakter-Konturen, als seine Schwester stirbt (natürlich wieder ein Mord).

Zwischen diesen beiden Polen, zwischen Frodo und Shatterhand, spannt sich die Gruppe der ungebrochenen Helden. Ob Bella aus Twighlight, Hans Castorp aus Thomas Manns Zauberberg, ob Indiana Jones, Melvilles Ishmael aus Moby Dick oder Uwe Tellkamps jugendlicher Turm-Protagonist Christian Hoffmann: Alles eigentlich langweilige, stinknormale Figuren. Ohne Mord in der Erinnerung, ohne Rasierklingen an den Pulsschlagadern, ohne Whiskey in der Kehle.

Was will der Fabulaliterator damit sagen?
Haltet euch nicht zu lange mit der Charakter-Genese auf. Ihr müsst - wie die weltberühmten Beispiele zeigen - keineswegs außergewöhnliche, komplex auspsychologisierte Helden haben. Absolut unabdingbar dagegen ist etwas ganz anderes: die Story. Natürlich muss und wird sich der Protagonist im Lauf der Geschichte entwickeln. Aber die Ausgangslage dafür - glaube ich - ist ziemlich egal. Einerseits ist ein anfangs schon von Schuld und Sühne geplagter Held natürlich einfacher zu händeln (weil die Sympathie für ihn sofort da ist), andererseits muss man ganz schön aufpassen, nicht in die üblichen Klischee-Häufchen zu treten (Kommissar als Alkoholiker et cetera). Natürlich gibt es Ausnahmen: Ein seltenes Beispiel, in dem der “gebrochene Held” sozusagen selbst die Grundlage der Geschichte bildet, ist etwa Don Quijote von Cervantes.

Ich hoffe, Ihr seid gut ins neue Jahrzehnt gewechselt! Ein wundervolles 2010 voller wundervoller Protagonisten, Hauptdarsteller und Helden wünscht

Euer

Jonas Torsten Krüger

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