Schreiben lernen (4): Spielen

Ich habe bereits hier einmal über den Zusammenhang zwischen Schreiben und Spielen fabulaliterarisiert. Dieses Thema packte mich jüngst wieder einmal, als ich folgendes Video entdeckte:

 

 

Ist das nicht großartig? Macht das nicht alle Diskussionen des 19. Jahrhunderts, die sich mit der Frage, was Menschen von Tieren unterscheide (unter anderem auch das Spielen), hinfällig? Am meisten berührte mich an diesem kleinen Film dreierlei:
1. Die ausgefeilte Technik: offensichtlich spielt der Delfin nicht zum ersten Mal mit Ringen aus Luft - er hat geübt!
2. Die Abstufungen im Spiel: Erst erschafft das Tier einen großen Ring, drückt ihn per Wasserverdrängung vorwärts und stuppst ihn dann mit der Nase an, so dass ein kleinerer Ring entsteht. Genial.
3. Der Spaß dabei: In einer Aufnahme “frisst” der Delfin den Ring auf - ich könnte schwören, dass er sich dabei köstlich amüsiert.

Was hat das mit dem Schreiben zu tun? Ich finde, eine ganze Menge. Wie beginnen wir mit einem Text? Oft genug mit einem Brainstorming-Verfahren wie Mindmap oder Clustering - das ist “Spiel mit Worten” in Reinkultur. Als literarische Form weiterentwickelt, nutzten Dadaisten von Hans Arp bis André Breton das Automatische Schreiben - ein rein spielerisches Drauflosschreiben, das die Künstler natürlich mit dem Ausbruch des Unterbewussten in den Text hinein erklärten. Aber was ist Écriture automatique? Ein Spiel.
Und auch wenn wir eine Erzählung oder einen Roman entwerfen, “spielen” wir: Der Protagonist wird mal in diese kritische Situation gesteckt, mal in jene; wir testen aus, ob er Angst vor Schlangen hat (wie Indiana Jones) oder vor schwindelmachender Höhe (wie in Hitchchocks Vertigo). Wir spielen. Aber - und das zeigt der Delfin ebenso - auch das Spielen will geübt sein. Das wissen Pianisten natürlich ohnehin, aber auch der Schreiber kapiert’s irgendwann: Spiele haben Regeln. Und Spiele erfordern Kennen und Können. Also üben wir.

Hier ein Beispiel auf Mensch und Künstler übertragen:

 

 

Auch dieser Ausschnitt aus Paul Haesaerts Film Ein Besuch bei Picasso aus dem Jahr 1950 zeigt: Pablo Picasso spielt. Das sieht man darin, wie er einzelne Blütenblätter mit dem Finger “auswischt”, wie er durch die Glasplatte hindurch zur Kamera blickt oder die großartige Frauenfigur des letzten Bildes von unten nach oben entwickelt - anfangs denkt man: da malt er wieder Blumen. Aber natürlich gilt auch für Picasso: Er kann nur so virtuos auf dem Pinsel spielen, weil er ähnliche Motive vorher hunderte Male “geübt” hat (na ja, vielleicht auch nicht: Picasso war halt ein Genie).

Jedenfalls: Vergesst nie die Macht und die Kreativität des Spielerischen, weder im Leben noch im Schreiben. Übertreiben sollte man es aber auch nicht, sonst geht es einem so wie Bill Mitchell. Von ihm sind die Worte überliefert: “Jetzt muß ich dieses verdammte Spiel nie wieder anrühren.” Das sagte er, als er es 19 Jahre nach der Erfindung des Spiels als erster Mensch der Welt geschafft hatte, alle 256 Level von Pac-Man durchzuspielen …

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