Schreiben lernen (1): Humor

Es gibt viele Dinge, die man üben muss und kann auf dem Weg zum Schriftsteller-Gipfel. Welche Zwischenhügel man jeweils leichter nimmt, hängt von einem selber ab: Dialoge fand ich beispielsweise recht schwer, während andere überhaupt kein Problem damit hatten. Aber wurscht, lernen kann man alles: die Tricks etwa, die man zur Erzeugung von Spannung braucht, das Gespür zum Entwickeln seiner Charaktere, das Zuviel (oder Zuwenig) in beschreibender Prosa. Was in den einschlägigen Büchern zum Thema “Kreatives Schreiben” merkwürdiger Weise selten abgehandelt wird, das ist der Bereich Komik. Denn tatsächlich ist’s verdammt schwierig, witzig zu sein. Hier ein Beispiel aus Scharfe Kurven für Madame von 1966:
 

 
Humor hat irrsinnig viele Facetten; einige werden hier gezeigt: Da ist zum einen Louis de Funès selbst - die komische Figur, der Clown, der Possenreisser und Pantomime. Kurz gesagt, jemand, der andere zum Lachen bringt. Ob Stan Laurel, Charlie Chaplin, Fernandel, Otto oder Jerry Lewis - allein über Mimik und Gestik bringen sie zum Lachen. Für uns Schreiber heißt das: kann ich eine komische Figur in meinen Text einbauen? Brauche ich Sie? Funktioniert sie?
Der kleine Ausschnitt zeigt darüber hinaus erstens das Prinzip der Imitation: Nachahmung bishin zum Nachäffen ist komisch. Und im besten Fall - wie hier bei Louis de Funès - eine Imitation, bei der das Lachen leicht im Hals stecken bleibt. Ein zweites Prinzip: die Übertreibung. Witze funktionieren durch ihre Maßlosigkeit, mit der sie Alltägliches ins Groteske verzerren (etwa Blondinen, Ostfriesen und Mantas). Das lässt sich beim Schreiben gut nutzen. Eine dritte Humor-Technik findet sich ebenfalls: Ungewohntes kombinieren und dadurch neue Schichten und Sichten offenbar machen, die - komisch sind: Hier ist’s die Kombination von Kochrezept und Hitler-Rhetorik. Als viertes Prinzip schließlich soll noch der Moment der Überraschung angesprochen werden: Man wundert sich erst nur sacht, was da für komische Schatten in de Funès Gesicht flattern, bis die Verwandlung eintritt …

Für alle Schriftsteller besonders reizvoll ist natürlich der Sprachwitz. Klassiker stammen etwa von Ernst Jandl:

lichtung

manche meinen
lechts und rinks
könne man nicht velwechsern
werch ein illtum!

 

Ganz andere Klassiker, wie “zum Bleistift”, stammen von diesem Herrn:
 

 

Heinz Erhardts Technik ist einfach - er kombiniert alltägliche Sätze und Floskeln zu neuen Ausdrücken, wie hier das ironisierende “das macht sogut wie fast gar nichts”. Außerdem nutzt auch er die Prinzipien Übertreibung (der Berg muss natürlich der größte aller Berge sein) und Überraschung am Ende. Beide Prinzipien steigern sich gegenseitig: Die Schlusspointe wirkt um so stärker, je größer der Berg und sein Getöse.

Humor ist eines der menschlichen Grundgefühle überhaupt - Jesus hat bestimmt gerne Witze erzählt. Da leider keiner davon überliefert ist, hier eine Anekdote aus der Zeit um 480 v. Chr. Der ägyptische Pharao Xerxes I. drohte den Griechen vor einer Schlacht: “Ich habe so viele Bogenschützen, dass ihre Pfeile die Sonne verdunkeln werden!” Der Grieche Leonidas soll darauf geantwortet haben: “Umso besser – dann kämpfen wir im Schatten!”

Und das wäre ein Beispiel für ein weiteres Prinzip in der Kunst der Komik: Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

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