Heute ein Linktipp zu meinem “Hausverlag” Ueberreuter, dessen Internetauftritt vor kurzem runderneuert wurde. Dazu gehören hoffentlich auch weitere solcher Schmankel wie dieser genau hier: Gerhard Haderer zeichnet zum Schlager “Weiße Rosen aus Athen.”
Wir lieben Listen. Wir lieben Statistik und den ersten, zweiten und dritten Platz. Eine Rangordnung scheint wichtig zu sein, wahrscheinlich wegen der - im Wort steckenden - Ordnung und unserer Sehnsucht nach ihr. Der Duisburger Marcel Korstian ruft in in seinem Blog Read it! auf, die eigenen Lieblingsbücher ins Internet-All zu posten. Viele folgen dem Ruf gerne. Ich auch. Marcel, der unter Der Korsti bloggt zusätzlich über “Web, Design & Webdesign” schreibt, wünscht sich 10 Bücher, die man gelesen haben muss.
Meine stehen - das nennt man wohl, hm, selbstreferenziell - unter der Rubrik “Lieblinge” auf fabulalitera.de:
Ich will diese Gelegenheit nutzen, um die “kommentierten Links” um eine kleine Blog-(ja, noch eine!) Liste zu ergänzen: Weblogs zum Thema Literatur, die mir gut gefallen.
Da ist zunächst Read it! selbst, bei dem mich vor allem die Cover-Fotos begeistern; die Rezensionen sind mir insgesamt ein bisschen zu positiv. Subjektiver, zum Teil kritischer und zum Glück überhaupt nicht frauenroman-lastig rezensieren Maren auf bibliomanie und Nina Mottola auf ihrer für den Superblogg 2008 nominierten Seite libromanie. Auffallend professionell und fundiert sind die Buchbesprechungen von Dr. Marius Fränzel auf bonaventura - Lektüren eines Nachtwächters, noch dazu mit längeren Zitaten als Zugabe.
Keine Rezensionen, sondern News aus der Welt der Bücher und Verlage bietet Michael Petrikowski aus Hameln auf seiner Webseite buchaviso. Eine beeindruckende Mischung aus Buchkritik und Verlagswelten präsentiert auch der Münchner Lesekreis. Und von der Buchkritik zum Schreiben selbst geht Autorin (und John-Irving-Fan) Lilly Berry auf ihrer leserattenwertenden Seite mit dem Motto: »Wir werden Romanautoren«. Ganz auf Tipps und Tricks zum Schreiben konzentriert sich Marion Kümmel in ihrem federwerk-Blog. Fachübergreifend möchte ich schließlich die überaus gewieften Rezi-Seiten von Oliver Naujoks nennen, der nicht nur SF und Fantasy liest, sondern auch herrliche Filmkritiken auf seinem oliblog ins Netz stellt.
So, das waren neun Lieblings-Literaturblogs für das Listen-Universum - wie stets gilt: subjektiv und “to be continued …”
Nummer 10 geht weg von der Literatur und hin zum Körper: zum Alexander-Technik-Blog von Michael Schürks. Darin geht’s nicht nur um die namensgebende Technik, sondern um Bewegung allgemein - super spannend dargestellt unter anderem mit Videos zu Cassius Clay oder Fred Astaire:
Franz Kafka ist ja gerade mal wieder medienpräsent. Das liegt nicht nur an seinem 125. Geburtstag dieses Jahr (3. Juli war das …), sondern auch an seiner angeblich “gerade aufgetauchten” Pornosammlung. Der britische Kafka-Forscher James Hawes erklärt entsetzt: “Das sind keine neckischen Postkarten vom Strand. Das ist richtiger Porno, ganz einfach. (…) Einiges davon ist recht finster, mit (…) Hunden und lesbischen Szenen.” Dass es sich bei diesem “sensationellen Fund” um längst bekannte literarische Zeitschriften von Franz Blei handelt, konnte man jetzt hier in der ZEIT nachlesen.
Passend zum Autor der heutige “kommentierte Link” - die Webseite www.volkslesen.tv
Der Berliner Physiotherapeut Michael Sandien liest diese Kurzgeschichte von Kafka sehr einfach und schön - wie erstaunlich viele Teilnehmer der VolksLesen-Seite. Und zwar gerade dann, wenn es keine Schauspieler, Künstler, Pfarrer oder Professoren sind. Sondern Hebammen, Handwerker und Arbeiter. Besonder gut gefällt mir auch der Koch Bex Becker, den man Goethe lesend hier findet.
Auf diesen kleinen Videos sieht man, was Literatur jedem Menschen bedeuten kann - und schon allein dafür (natürlich macht’s auch einfach Spaß) sage ich dem Initiator der Seite Martin Scharfe meinen Dank! Für mich sind diese Vorleserinnen und Vorleser die wahren “Superstars” - fernab von dümmlichen TV-Shows.
Nochmal zu Kafka und der Poronografie. Ich war dann doch neugierig auf die besagten Bilder mit “Hunden (…) und lesbische Szenen” und suchte in der Wikipedia nach den Künstlern. So oder sehr ähnlich darf man sich Kafkas “Heftchen” vorstellen - illustriert wurden sie mit Jugendstil-Grafiken von
… Aubrey Beardsley (1872–1898)
A. Beardsley Poe Illustration
oder dem Simplicissimus-Mitarbeiter Thomas Theodor Heine (1867–1948):
Thomas Theodor Heine: Weekend
Vertreten sind auch der belgische Symbolist Félicien Rops (1833-1898) …
Félicien Rops
… und der Österreicher Franz von Bayros (1866-1924). Hier “mit Hund” …
Franz von Bayros
… und hier “lesbisch”:
Franz von Bayros
Warum ich so ausführlich darauf eingehe? Mich ärgert das: Kafka ist ohnehin schon einer der am ärgsten malträtierte Autor, weil man ihm die unterschiedlichsten Interpretations-Methoden überstülpen kann. In der Schule wurden viele geplagt mit soziologischen, werkimmanenten oder psychoanalytischen Werkansätzen. Die Literaturwissenschaft geht mir, was Kafka angeht, einfach auf die Nerven. Und vielleicht gefallen mir je gerade deshalb so gut die Interpretationen auf volkslesen.tv.