14. Juni 2009
Heute legt er los, der von Giesbert Damaschke in moderne Internetzeiten hineingetragene Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe : Als Blog “in Echtzeit” - will heißen gepostet am jeweiligen Tag plus 215 Jahre. Am 13. Juni also, wenn auch 1794, klopfte Schiller per Brief untertänigst und lobhudelnd beim schon berühmten Großdichter an. Schiller bittet Goethe um einen Beitrag für die “Horen”, eine Literaturzeitschrift, die es damals offensichtlich genauso schwer hatte wie Literaturzeitschriften heute - mit Ach und Krach überlebte sie drei magere Jahre. Aber etwas anderes wurde mit diesem schmeichelnden Bittbrief geboren und lebte immerhin knapp elf Jahre: die Freundschaft dieser beiden Herren:
Goethe (1791 von J.H. Lips) und Schiller (1804 von F.G. Weitsch)
Bis zum Tod Schillers im Jahr 1805 (grade mal mit 45 …) entwickelte sich eine Freundschaft, die zwar ihre Distanz nicht verleugnete (schließlich war Goethe ja 10 Jahre älter): Nie haben die beiden sich das “Du” angeboten. Aber die in meiner Insel-Taschenbuch-Ausgabe in zwei Bänden aufgeführten 1.006 Briefe, Billets und Notizen haben es trotzdem in sich. Wie sich diese beiden Riesen über ihre Texte und ihr Leben austauschten, ist schon großartig: Etwa wenn der ewig kränkliche, nie reisende Schiller Goethe nach dessen Besuch am Rheinfall in Schaffhausen fragt, ob denn seine Zeile aus dem Taucher “und es wallet und siedet und brauset und zischt” sich angesichts der Natur gut halten würde. Goethe bestätitgte.
Ja, ich habe sie geliebt, diese Briefe und freue mich nun, sie mit genauen, “realistischen” Abständen wieder zu lesen. Über tausend Briefe - das ist natürlich eine Menge Holz (meine ich jetzt rein metaphorisch). Ich wünsche Giesbert Damaschke jedenfalls den langen Atem, die Zeit und das Geld für dieses Projekt! Und freue mich auf den Brief Nummer 2, den er posten wird. Am 24. Juni antwortete Goethe wohlwollend nichtssagend auf Schillers Anfrage. Und empfahl sich aufs Beste.
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15. März 2009
Ausgehend vom Stephen-King-Zitat des letzten Eintrags, machte ich mich auf die Suche nach Autoren-Homepages. Und wunderte mich bald, wie wenig die Schriftsteller das WorlWideWeb offenbar zu schätzen wissen. Natürlich war klar, dass Leute wie Günter Grass, Siegfried Lenz, Uwe Timm oder Martin Walser keine, oder wenn nur vom Verlag zusammengestellte Webpräsenz zeigen. Das ist eine Generationsfrage und somit verständlich. Ausnahmen bilden etwa die klassisch-knapp gehaltenen Seiten des geschätzten Peter Härtling oder die Homepage von Eva Demski, auf der die 1944 geborene Schriftstellerin nicht nur mp3s sondern auch zahlreiche PDFs zu Themen wie “Mein erstes Buch” als Download anbietet. Ganz erstaunlich fand ich die lebendige Seite der immerhin auch schon 62-jährigen Elfriede Jelinek. Die österreichische Literaturnobelpreisträgerin nutzt ihre Homepage als Notiz- und Tagebuch, veröffentlicht dort stückchenweise einen “privaten Roman” und verzichtet komplett auf Biblio- und Biographie. Hat mich beeindruckt.
Um so verblüffender war dann (und ist immer noch) die Internetmüdigkeit jüngerer Autoren. Kompromisslos und komplett verzichten auf eine eigene Webseite etwa Daniel Kehlmann, Uwe Tellkamp, Katja Lange-Müller, Judith Hermann oder Jakob Arjouni. Nicht, dass ich das irgendwie schlimm fände, oh nein, aber wundern tut es mich eben doch. Öffentlichkeits-Verweigerung? Moderne-Medien-Feindlichkeit? Faulheit? Die Gründe würden mich schon interessieren …
Der Großteil jüngerer (und mittlerer) Autoren setzt aber sehr wohl auf eigene Homepages, beschränkt sich aber meist auf knapp(st)e Infos zu Leben, Werk und Terminen. Wer lange genug sucht, findet allerdings schöne Ausnahmen, von denen ich einige vorstellen will. Um die Sache ein bisschen einzugrenzen, habe ich (erst mal) deutschsprachige Autoren gesucht und präsentiere sie alphabetisch - Vorhang auf für diese sechs Dichterinnen und Dichter (© der beiden Bilder Anne Chaplets und Matthias Altenburg: Sven Teschke; © für Nikola Hahn: www.dirkdick.eu) :
Autoren und ihre Webseiten
Die Krimiautorin Anne Chaplet bietet auf ihrer Seite nicht nur Interviews und Hörproben als Download an, sondern führt auch ein erstaunlich kurzfrequentiges und lesenswertes Online-Tagebuch.
Einer meiner Lieblingsschreiber ist der Jesus-Video-Autor Andreas Eschbach. Auf seiner News-Seite schreibt er gottlob über mehr als die neuste Taschenbuchausgabe seiner Werke, sondern auch bloggend über Leben und Dichten. Besonders gefallen hat mir die Rubrik “Übers Schreiben”, in denen er viele brauchbare Tipps und Tricks zum Handwerk zusammengestellt hat - unter anderem den nützlichen 10-Punkte-TÜV für Texte.
Noch praller gefüllt sind die Seiten der Krimiautorin Nikola Hahn: Zahl-, hilfreiche und sehr kompetente Tipps zum Schreiben und ein so bilderreicher wie persönlicher Blog - leider ohne RSS-Feed, aber dafür mit Newslettermöglichkeit.
Einen Feed gibts bei Kai Meyer: Unter dem Stichwort “Journal” schreibt der Fantasyautor über Leben, Schreiben und seine (sympathische) Vorliebe für Trash in Film, Buch und Comic.
Ebenfalls per Feed bekommt man die Blog-Einträge von Karl Olsberg auf den Bildschirm. Er schreibt über Lese- und Lebenserfahrungen genauso wie über neue Wissenschaftsthemen (die einen Thrillerautor wie ihn natürlicherweise interessieren).
Zuletzt - und das ist ein schöner Abschluss - sei auf die Seiten von Jan Seghers verwiesen. Unter diesem Pseudonym ist der Hesse Matthias Altenburg mit seinen furiosen Krimis bekannt geworden. Sein elektronisches Tagebuch - inklusive Fotos, Bildern und täglicher Temperaturangabe - mag ich sehr. Auch die sonst angefügten Seiten bieten so interessante wie lesenswerte Texte - beispielsweise des Sammelpseudonyms Stefan Brockhoffs Zehn Gebote für den Kriminalroman. Stammt aus dem Jahr 1937 - ist aber immer noch erstaunlich aktuell :-)
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8. Dezember 2008

Literaturport nennt sich eine vom Literarischen Colloquium Berlin und dem Brandenburgischen Literaturbüro initiierte Webseite. Interessant ist diese sprachspielend zwischen Hafen und Portal angesiedelte Plattform aber nicht nur für Berliner Literaten. So gefällt mir besonders die Rubrik “Autorenstimmen”, wo etwa Uwe Tellkamp, Martin Walser oder hier der großartige Klaus Modick immerhin um die 10 Minuten lang aus ihren neusten Büchern vorlesen (und alles Nichtberliner :-)).
Viel Spaß machen auch die Reiserouten durch Berlin: Literatouren - geschrieben, bebildert und zum Teil auch gesprochen von den Autoren selbst, etwa von Julia Franck, Ingo Schulze oder Judith Hermann.
Leider ist die Rubrik “Kalender” sehr knapp gefasst und die Navigation der Seiten teilweise umständlich: Das eigentlich sehr gute Autoren-Lexikon zum Beispiel krankt an Überblendungen und fehlender Übersicht.
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