Der Blog von buecher.de

27. Juni 2010

Buecher.de als Alternative zu amazon nutze ich schon lange. Aber auf den Blog wurde ich erst durch einen der Mitschreiber aufmerksam (Danke, Carsten!).

 
Der Webblog von buecher.de

Das Weblog von buecher.de
(Jedes Bild im Blog kann größer geklickt werden.)
 
Intelligent geschrieben, kurzweilig zu lesen und - für mich überraschend - eine beeindruckende Bandbreite abdeckend: Momentan dominiert natürlich die Fußball-WM; im inhaltliche Pool schwimmen aber so unterschiedliche Themen wie Politik, Computerspiele oder der Eurovisions-Song-Contest. Und selbstverständlich: Bücher.
Obwohl es sich letztlich um eine Werbeseite handelt - einen offiziellen Bestseller-Verriss wird man hier nicht finden -, gelingt es den Machern ihre Neutralität zu wahren und auf hohem Niveau zu informieren.
Der Blog von buecher.de: für mich eine schöne Entdeckung!


Nach der Manuskriptabgabe: Das lange Warten des Autors

11. Juni 2010

Hat der Schriftsteller nach Wochen, Monaten oder auch Jahren sein Buch vollendet, überarbeitet und zum Verlag geschickt, beginnt eine Wartezeit der besonderen Art. Sie beträgt, wenn alles gut läuft, fünf bis sechs Monate. Läuft es nicht so gut, wird der Titel ins nächste (oder übernächste) Herbst/Frühjahrs-Programm verschoben. Was passiert in dieser Zwischenzeit? Wie funktioniert die Arbeit am Buch, hinter den Kulissen des Verlages?

Das Lektorat
Mein neues Manuskript beendete ich im Dezember 2009, ein Buch für junggebliebene Leser jeden Alters, das in Barcelona spielt. Anfang Januar 2010 schickte ich die Datei per E-Mail (ein Hoch auf die Technik - ich kann mich noch dunkel an die Zeiten erinnern, als man das Manuskript in Form eines fetten, kostspieligen Stapels zur Post brachte) an jene Lektorin des Ueberreuter-Verlages, die eben auch Jonas Torsten Krüger betreut: die großartige Joanna Storm. Hier beginnt für mich immer der unangenehmste Teil der Warterei: Schließlich harre ich der professionellen Kritik, dem verlegerischen Urteil. Und egal wie vielen Freunden, Verwandten oder Geliebten man den Text auch zum Probelesen gegeben haben mag - ihr erlösendes “Hat-mir-gut-gefallen” ist jedesmal eine große Erleichterung. Auf diese erste Sichtung folgt das komplette Lektrorat. Je nach Belastung (ja, es stimmt wirklich, dass Lektoren in Manuskripten ertrinken!) direkt im Verlag oder, wie just bei meiner Barcelona-Story, als Außenlektorat. Was mir in diesem Fall keine grauen Haare bescherte, hatte ich doch mit der wunderbaren Gudrun Likar schon bei anderen Projekten bestens zusammengearbeitet. Sie fand nicht nur die sprachlichen und inhaltlichen Fehler, sondern bügelte auch unnötige Wortwiederholungen, Stilblüten und allzu wacklige Metaphern aus dem Text (wie immer tausend Dank, Gudrun!). Per Telefon gingen wir die gesamten 250 Seiten durch und diskutierten unklare Passagen oder offene Fragen. Im Anschluss lektorierte sie das Manuskript und mailte mir ihre Korrekturen und Vorschläge schließlich zu. Das sah dann so aus:

lektorierte Manuskriptfassung

lektorierte Manuskriptfassung

 

Über die praktische Word-Funktion “Änderungen nachverfolgen” (ein Hoch auf die Technik, Teil 2) konnte ich nun jeden Texteingriff verfolgen und (was nur selten vorkam) wieder rückgängig machen oder eine neue Alternative anbieten. Damit war der größte Brocken geschafft. Aber das Warten ging weiter.

Titel und Cover
Die Diskussion um den Buchtitel beginnt eigentlich schon bei Vertragsabschluss - immerhin liegt dann nicht nur bereits ein Exposé vor, sondern auch ein Arbeitstitel. Eifrig überlegt wurde aber erst im Februar und März. Vorschläge waren etwa “Kolumbus’ Erbe”, “Schatten über Barcelona” oder “Avis Traum”. Diesmal konnten wir uns schnell auf “Das Orkel von Barcelona” einigen - die letztendliche Entscheidung treffe aber nicht ich, sondern das Team aus Lektoren und Programmleiter.
Ebensowenig kann ich das Cover bestimmen. Auch da zählt meine Stimme nur als eine von vielen, aber auch in diesem Punkt fand sich rasch ein begeisterter Konsens (das ist nicht immer so …):

 

Das Cover

Das Cover



U4-Text und Vorsatzblatt

Der nächste Punkt auf der Liste: Der Klappentext. Im Fachjargon wird dieser Buchteil U4 genannt - U(mschlag)1 ist die Titelseite, U2 der innere Buchdeckel (Vorsatz), U3 die Rückseite Innen und U4 der Buchrücken. Neben dem Cover ist der Klappentext sicher der wichtigste Angelhaken, an dem wir Lesefische anbeißen. Insofern wird er eifrig überarbeitet und besprochen - meist kommt dann eine Kombination des Lektors und Autors dabei heraus.
Und auch das Vorsatzblatt (U2) harrte seiner künstlerischen Gestaltung: Nach kurzer Diskussion setzt sich mein Wunsch nach einer Landkarte, einem Stadtplan von Barcelona durch, auf dem die wichtigsten Schauplätze der Geschichte gezeigt werden:

Vorsatz mit Stadtplan von Barcelona

Vorsatz mit Stadtplan von Barcelona

Ganz glücklich bin ich nicht mit der sehr abstrahierten, technisch wirkenden Form, freue mich aber doch sehr: Ich liebe Landkarten in Büchern :-)


Die Druckfahnen

Das Lektorat war währenddessen nicht untätig. Gudrun Likar arbeitete meine Fassung ein und übergab das Manuskript einem letzten Korrekturleser, eben deshalb “Korrektor” genannt. Hier werden die (hoffentlich) letzten Fehler ausgemerzt und das Ganze anschließend zum Layouter und Drucker gebracht. Ende März bekomme ich die Druckfahnen zugeschickt - das sieht aus wie Kopien eines Buches:

Die Druckfahnen

Die Druckfahnen

Auf diesen Seiten lese ich mein Buch zum letzten Mal vor der Veröffentlichung. Der Augenmerk liegt dabei auf den sich immer wieder einschleichenden Druckfehlerteufelchen; die schwierigste Aufgabe ist das gelegentliche Kürzen, wenn der Zeilenumbruch nicht stimmt. So geschehen hier auf Seite 51 ganz unten, dort wo +1 steht. Diese Zeile ist zuviel, so dass irgendwo auf der Seite gekürzt werden muss. Manchmal eine schwierige Entscheidung …


Vertreterkonferenz, Programmvorschau und dann endlich …

Im April findet die Vertretertagung statt. Dort wird das neue Programm vorgestellt, unter anderem mein Barcelona-Titel. Vertreter sind eine eigene Macht im Geflecht der Bücher und Verlage, denn sie sind es, die durch ihre tägliche Arbeit wissen, was sich verkauft. So ist meine Freude immer groß, wenn ich von ihnen ein positives Feedback bekomme.
Ende Mai wurde mir dann das neue Verlagsprogramm zugechickt, und ich blätterte mich neugierig durch die Neuerscheinungen bis zu meiner eigenen Werbeseite.
Und gestern hatte es endlich ein Ende, das lange Warten des Autors nach der Manuskriptabgabe:

Die Belegexemplare

Endlich: die Belegexemplare

So. Jetzt fehlt nur noch der Erscheinungstermin einen Monat später. Und vielleicht der Klick hierhin.

Viel Spaß!


Schreibwerkzeug Google Earth

7. März 2010

Man mag ja über die Monopol-Stellung von Google denken wie man will - viele der Applikationen sind beeindruckend hilfreich. Mein Lieblingstool ist Google Earth, das ich heute als Werkzeug für Autoren vorstellen möchte.
Wer das Programm noch nicht kennt: Google Earth erfasst Satellitenbilder und fügt sie zu einem virtuellen Globus zusammen. Von weitem sieht das dann so aus:

alle Bildrechte: Google Earth
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Per Mausrad zoomt man tiefer hinein, beispielsweise Richtung Europa:

Mein letztes Buch, der historische Roman “Pilgerweg durch die Hölle”, beginnt im südfranzösischen Toulouse. Um den schriftstellerischen Nutzen von Google Earth zu demonstrieren, nähern wir uns beispielhaft dieser Stadt - dafür genügt die Eingabe des gesuchten Ortes oben links. Den “Anflug” auf das gewählte Objekt kann man unterbrechen - beamen wir uns stückweise an die Erdoberfläche heran, bis zwischen Mittelmeer und Atlantik der Gebirgszug der Pyrenäen erkennbar wird …

… und abermals tiefer, bis man Toulouse erahnen kann, durchschnitten vom Flusslauf der Garonne:

Ein weiteres Drehen am Mausrad und wir schweben über der Stadt. Deutlich erkennt man die alten Grenzmauern und Kanäle - ich habe einen gelben Kreis darum gezogen. So lässt sich bereits mit einem Blick feststellen, wie groß die Stadt im Mittelalter wohl gewesen sein mag:

Noch ein bisschen tiefer sieht das so aus:

Ganz oben am Rand (gelb markiert) erscheint eine Kirche, die leicht zentriert werden kann. Gleichzeitig geht’s noch ein Stück hinab:

Es handelt sich um eines der Wahrzeichen der “ville rose”, wie Toulouse ob seiner roten Steinhäuser genannt wird: die im 12. Jahrhundert erbaute Basilika Saint-Sernin. Mein Roman führte auch in diese Kirche - und deshalb auch meine Recherche. Zoomen wir ein letztes Mal näher heran:

Das ist so ziemlich die maximale Auflösung - geht man noch tiefer, wird das Bild verwaschen körnig.

Ich kenne Toulouse und auch diese Kirche, insofern war mein virtueller Ausflug nur einer, um meine Erinnerung aufzufrischen. Aber manchmal schreibt man eben auch über fremde, unbekannte Orte - dann helfen solche Bilder oder die im folgenden erklärten Gimmicks von Google Earth enorm weiter. Beispielsweise gibt es in der Leiste links die Option “3D-Gebäude” (gelb markiert), mit der zumindest die wichtigsten Bauten einer Stadt modellhaft in drei Dimensionen dargestellt werden - auch die Kirche Saint-Sernin:

Und schon hat der tastenhungrige Schriftsteller eine Idee, wie diese Kirche “wirklich” aussieht. Aber es geht noch realistischer: Nutzt man die Option “Panoramio” im Ordner “Geografie im Web”, so füllt sich das Satellitenbild mit blauen Quadraten - Fotografien, die von Besuchern im Netz eingebunden wurden. Klickt man eines an, bekommt man ein authentisches Foto des zu beschreibenden Ortes:

Die Informationsflut ist wahrlich beeindruckend, denn natürlich kann man sich nicht nur Fotos, sondern auch Straßennamen, Cafés, Krankenhäuser et cetera einblenden lassen. Nützlich ist etwa auch die Option “360Cities”, die beim Anklicken ein 360-Grad-Panorama öffnet - plötzlich steht man “in” Saint-Sernin und kann sich um die eigene Achse drehen. Fast schon als unheimlich empfinde ich “street view”: Wählt man diesen Punkt der Navigationsleiste, wimmelt es auf dem Bild plötzlich vor kleinen, schwarzen Kameras:

Klickt man auf eine dieser Kameras, öffnet sich ein Schnappschuss genau dieses Ortes - mit Blick auf weitere, wiederum anklickbare Kamerasymbole (gelbe Kreise). Folgt man ihnen, kann man tatsächlich einen kompletten Rundgang um die Kirche machen!

Was hätte beispielsweise Karl May für solch eine Möglichkeit gegeben …

Wem das aber immer noch nicht reicht, kann schließlich den Reiter “youtube” auswählen. Dann werden bei youtube veröffentlichte Filme sichtbar, die etwa Innenaufnahmen der Kirche Saint-Sernin zeigen (das Video selbst habe ich nicht eingebunden):

Von den restlichen Möglichkeiten bei Google Earth möchte ich schließlich noch auf das so einfache, wie nützliche Tool “Lineal” hinweisen (an der oberen Leiste einzuschalten). Pilgerweg durch die Hölle spielt auf dem “Camino” nach Santiago de Compostela. Per Satellitenbild konnte ich die Tour meiner Helden planen und berrechnen - wie weit kommt man per pedes oder zu Pferd an einem Tag? Man lege das virtuelle Lineal an und messe die Distanz zweier Punkte - hier die Entfernung von Toulouse bis in die Pyrenäen:

Fazit: Google Earth ist ein äußerst mächtiges Hilfsmittel für jeden Schreiberling - und lässt trotzdem noch Platz genug für die Fantasie :-)






 

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